Die Zukunft am Weg: Lösemittelbasiertes Recycling

Lösemittelbasiertes Recycling von Styropor-Abfällen

Bei diesem Recycling wird das Polystyrol unter Verwendung von Lösungsmitteln wiedergewonnen. Am bekanntesten ist das CreaSolv®-Verfahren des deutschen Fraunhofer-Institutes für Verfahrenstechnik und Verpackung. Es gewährleistet ein technisch, wirtschaftlich und ökologisch nachhaltiges Recyclingsystem für Styropor-Abfälle und setzt die Vision einer europäischen Strategie für Kunststoffe in einer Kreislaufwirtschaft in die Realität um.

 

 

Beim CreaSolv®-Verfahren wird das Polymer Polystyrol aufgrund seiner spezifischen Löslichkeit in hoher Reinheit wiedergewonnen. Das besondere Potenzial des Verfahrens liegt in der Reinigung des Materials auf molekularer Ebene. Qualitätsbeeinflussende Störstoffe werden schonend und unter Erhalt der Polymereigenschaften entfernt. Bei HBCD-haltigem Styropor besteht die Möglichkeit, das Flammschutzmittel abzutrennen und daraus das Brom in einem separaten Prozess rückzugewinnen.

 

 

In Montréal (Kanada) hat das Technologie-Startup Polystyvert bereits 2018 die weltweit erste Anlage für die lösemittelbasierte Aufbereitung von von expandiertem Polystyrol (EPS) in Betrieb genommen. Als Meilenstein für das Kunststoffrecycling in Europa wurde 2021 im holländischen Terneuzen die auf dem CreaSolv®-Verfahren basierende Recyclinganlage PolyStyreneLoop eröffnet.

So funktioniert der CreaSolv® Prozess

Das Polystyrol wird zunächst in einem Mahlwerk in kleine Fragmente zerkleinert. Diese kommen anschließend in eine spezielle CreaSolv® Formulierung von CreaCycle, dem Lösemittel für den CreaSolv® Prozess. Die Lösung durchläuft dann den Prozess der Ausfällung, um die löslichen Verunreinigungen physikalisch vom reinen Polymer abzutrennen. Diese Verunreinigungen verbleiben nun allein aufgelöst in der speziellen CreaSolv® Formulierung.

Um diese Verunreinigungen abzutrennen, wird die Lösemittelformulierung abdestilliert und kann so wieder in den Prozess zurückgeführt und erneut verwendet werden. Die gesammelten Verunreinigungen können dann ebenfalls sortiert und recycelt werden, wenn sie wertvolle Materialien enthalten. Das ausgefällte Polymer durchläuft einen Trocknungsprozess und wird als Feststoff wieder zu neuen Granulaten mit sehr ähnlichen Eigenschaften wie das ursprüngliche Neumaterial extrudiert.

Der CreaSolv® Prozess funktioniert wie eine Waschmaschine auf molekularer Ebene. Genau wie ein sauberes Hemd aus einer Maschine erhält man beim CreaSolv® Prozess saubere und völlig intakte Polymerketten. Bei dieser Technologie kommen nur physikalische Prozessschritte zum Einsatz, was bedeutet, dass das Polymer immer nur seinen physikalischen Aggregatzustand von fest zu flüssig und wieder zurück zu fest ändert. Es finden keinerlei chemische Reaktionen statt, da diese das Polymer zerstören würden!

PolyStyreneLoop

Mit dem Polystyrene-Loop-Verfahren ist es möglich, aus bereits verwendetem EPS wieder hochwertige neue Produkte herzustellen. Damit ist der Wertstoffkreislauf geschlossen.
https://polystyreneloop.org